| | | |
Wenn Amma ein Dorf "adoptiert"
13. Februar 2005 — Samanthampettai, Nagore Village, Nagapattinam Dt., Tamil Nadu
Manchmal schreit ein Kind nicht, wenn es sich verletzt
bis es seine Mutter sieht. Ganz gleich wie viele Tränen die Männern und Frauen in Samanthampettai zurückgehalten hatten, als Amma sie besuchte, kamen sie alle an die Oberfläche. Und obwohl sie Amma nie zuvor gesehen hatten oder ihre Lebensgeschichte kannten, schien es so als ob Amma ihnen allein gehörte, als sie ihnen in die Augen schaute - bereitwillig strömten sie heran, um die Erlösung in Ammas Armen zu spüren.
Innerhalb von zwei Tagen besuchte Amma acht Dörfer in den Bezirken von Nagapattinam, Tamil Nadu and Karaikkal, Pondicherry. In Samanthampettai, einem Dorf in Nagapattinam, das Amma adoptiert hatte, ging Amma von Tür zu Tür, betrat die Behausungen der Familien und hörte sich ihre Herz zerreißenden Geschichten an. Der Ashram hat bereits 100 Notunterkünfte in Nagapattinam gebaut und ist dabei, 1.700 Häuser in drei Dörfern zu bauen. Als Amma durch Samanthampettai ging, machte sie klar, dass ihre Art "ein Dorf zu adoptieren" mehr ist als Häuser zu bauen.
In der ersten Notunterkunft fand Amma einen Jungen vor, der sich seit der Katastrophe krank fühlte. Er war behandelt worden, hatte aber seinen Lebenswillen noch nicht zurückerlangt. Amma sagte seiner Mutter, dass sie fühlte, dass er innere Verletzungen habe und dass er ins AIMS gebracht werden sollte, die hochspezialisierte Klinik des Ashrams in Cochin. Amma trug einem Brahmachari auf, eine schriftliche Erklärung für die Mutter zu schreiben und die Busfahrt für sie und ihren Jungen zu arrangieren.
Im nächsten Haus gab es zwei kleine Kinder - einen Jungen von ungefähr sechs Jahren und ein Mädchen von vier Jahren, deren Mutter ums Leben gekommen war. Amma drückte den Jungen an sich und schaute ihm tief in die Augen und sprach zu ihm: "Deine Mutter ist nicht tot. Sie ist immer noch hier. Atman ist unendlich (Atman=etwa unsterbliche Seele). Sei strebsam und lerne viel, das wird deine Mutter glücklich machen." Das Mädchen ist noch zu jung, um den Tod seiner Mutter zu verstehen. "Mama ist zum Meer gegangen", sagte sie zu Amma.
Im nächsten Haus ist eine junge Frau und ein alter Mann. Die Frau erzählt Amma, dass ihr Ehemann gestorben ist. "Bete für den Heimgang seiner Seele", sagte Amma zu ihr, während sie ihre Tränen abwischte. Die Frau versprach es nickend. "Nur weil du uns etwas gibst, haben wir zu essen", sagte sie und fiel in Ammas Arme.
In einem anderen Haus sprach Amma zu einer Mutter, der die beiden Kinder, die sie auf dem Arm hielt, durch die Wassermassen entrissen worden waren. Amma erfuhr, dass sie sterilisiert ist und keine Kinder mehr haben kann. Amma sagte ihr und ihrem Mann, dass der Ashram eine Operation im AIMS bezahlen wird, damit sie wieder Kinder bekommen kann.
In der nächsten Unterkunft sind eine Mutter und ein Vater, deren Kinder am Strand gespielt hatten als die Welle kam. Sie werden alle vermisst. Amma drückte die beiden Eltern an ihre Brust und sie brachen in Tränen zusammen. Amma sagt ihnen, dass sie für die Kleinen betet.
Ein paar Häuser weiter spricht Amma mit Vanita und Balachandran, einem Mädchen und ihrem jüngeren Bruder, deren Eltern tot sind. "Möchtet ihr mit mir nach Kerala kommen, ich gebe euch Arbeit?" fragte Amma das Mädchen, das gerade erst in die fünfte Schulklasse geht. Sie willigt ein. "Wenn du die Arbeit in Cochin nicht magst, wird die Amma eine Arbeit in einer Schule in Madras geben, in Ordnung?" Dann sagt Amma dem Jungen, dass er mit seiner Schwester mitkommen darf.
In einem anderen Haus ist eine junge Mutter, Punitavati, die einen Säugling hält - "Amrita Devi." Amma nimmt das kleine Mädchen in ihre Armbeuge während Punitavati ihre Geschichte erzählt. Sie war in ihrer letzten Schwangerschaftswoche als die Welle ihr Zuhause zerstörte. Als die Brahmacharis sie in dieser unglücklichen Situation fanden, besorgten sie ihr einen Platz in dem örtlichen Krankenhaus, wo sie bis zur Niederkunft bleiben konnte. Dort erklärten die Ärzte Punitavati, dass sie wegen der Geburtskomplikationen wahrscheinlich gestorben wäre, wäre sie nicht im Krankenhaus gewesen.
Im nächsten Haus tröstet Amma eine Mutter und einen Vater über den Tod ihres Kindes hinweg - die Kerzen sind vor dem Bild des Kindes auf einem Altar angezündet worden und werfen einen warmen Schein.
Im nächsten Haus ist auch ein Kind tot.
Eine Großmutter
Im nächsten Haus, wieder ein Kind
Im nächsten vier Kinder
Sohn gestorben
Im sechsten Monat schwangere Tochter gestorben
Bhagyavati ist auch sterilisiert. Wieder erklärt Amma der Frau, dass das für sie kostenlos im AIMS in Cochin operativ rückgängig gemacht werden kann, wenn sie es möchte.
Im nächsten Haus erzählt eine Mutter Amma, dass ihr Sohn nachts vor Angst nicht schlafen kann. Er war am Strand und spielte mit Freunden als die Wellen kamen. Alle wurden sie hinweggespült. Nur der Junge überlebte - jemand hatte ihn gerettet weil er seine Hand aus dem Wasser ragen sah. "Fürchte dich nicht", sagt Amma zu ihm und nimmt ihn in den Arm. "Mutter See wird dir nichts zu leide tun".
Etwas weiter unten kommt Amma an einen Schuppen, in dem zwei Brüder und Schwestern wohnen, alle vier hatten ihre Eltern verloren. "Möchtet ihr mit mir kommen und in Cochin arbeiten?" fragt sie Amma.
Im nächsten Haus lebt ein Junge von ungefähr sechs Jahren, dessen eines Bein in einem Gipsverband steckt. Amma hebt ihn hoch und hält ihn in ihren Armen und spricht mit seiner Mutter. "Amma spürt, dass dieser Verband nicht richtig sitzt", sagt sie. "Er sollte schnellstens ins AIMS gebracht werden. Dieser Swami wird dir einen Brief mitgeben und die Busfahrt dorthin arrangieren." Zum Jungen gewandt sagt sie: "Wenn du das Meer siehst fürchte dich nicht. Die See ist unsere Mutter."
Im nächsten Haus trifft Amma auf einen Vater, der seinen zweijährigen Sohn hält. Seine Frau ist tot. Das Kind ist traumatisiert und verhält sich wie geistesgestört. Er möchte den Arm seines Vaters nicht verlassen, noch nicht einmal, um ein Bonbon von Amma zu bekommen. Wenn man den Mann anschaut erkennt man, dass er alles daran setzt, nicht loszulassen. Amma streichelt seinen Arm liebevoll. "Bring den Jungen dahin wo andere Kinder spielen" sagt sie ihm. "Wenn er sie eine Weile spielen sieht, wird er sich verändern. So kann er dann nach und nach alles vergessen."
Wenn Amma ein Dorf adoptiert, gibt sie den Menschen alles was in ihrer Macht steht: Essen, ein Dach über dem Kopf, Medizin, Ausbildung, Arbeit, Liebe.
Die Dörfler von Samanthampettai weinten Tränen der Freude. Sie dankten Amma, dass sie gekommen war und ihr Dorf gesegnet hatte. Amma sagte ihnen, "Es gibt keinen Grund, Amma zu danken. Amma ist nicht zu Besuch hier, Amma ist ein Mitglied eurer Familie."
Die Dorfbewohner sagten dann zu Amma, dass sie ihr Dorf nach ihr umbenennen möchten - in "Amritakupam" oder in "Die Unsterbliche Bucht". Sie baten Amma, ein Plakat zu enthüllen, damit das Ereignis ihres Besuchs unvergessen bleibe. "Amma braucht kein solches Schild", sagt Amma. "Eure Freude und Glücklichkeit ist mein Aushängeschild".
Die Dorfbewohner antworteten, "Amma, in dem Moment, als wir dein Gesicht sahen, haben wir alle Sorgen vergessen. Wir alle sind glücklich."
- Sakshi
| |