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Kinder sind durch den Tsunami traumatisiert

von Dr. Asha

Dr. Asha von der Stanford Universität in USA, eine Kinderärztin, die derzeit hilft, das Krebszentrum und die Kinderstation im AIMS-Krankenhaus aufzubauen, schreibt über ihre Erfahrungen mit vom Tsunami traumatisierten Kindern.

"Amma, manchmal habe ich schlechte Träume," sagte ein Zehnjähriger zu Amma. Er hatte gesehen, wie mehrere seiner Verwandten in den reissenden Fluten ertrunken waren. Amma nahm ihn sofort auf ihren Schoß und drückte ihn ans Herz. Sie rief mich dann zu sich. "Dieser Sohn hat Alpträume und kann nicht schlafen. Nimm diese Kinder zu Dir und spiele mit ihnen. Schenke ihnen den Trost, den sie brauchen, und lass sie ihren Kummer ausdrücken." Amma sagte dann zu dem Bub: "Diese Frau ist eine Ärztin nd möchte mit Euch allen spielen. Geht mit ihr mit." In wenigen Minuten hatte Amma - die qualifizierteste Psychiatrieärztin - den Rahmen für die intensive Psychotherapie festgelegt, die diese Kinder brauchen, um ihr intensives Trauma in das alltägliche Leben zu integrieren.

Nach dem Tsunami war ich eine Woche lang als allopathische Ärztin in einem von den Notlagern des Ashrams stationiert. Während ich viele hunderte von verschiedenen körperlichen Leiden behandelte, hatte ich den Wunsch, mehr Zeit für die Kinder zu haben, denn sie wurden im wesentlichen sich selbst überlassen, um zu spielen, während ihre Eltern behandelt wurden. Ich war deshalb sehr dankbar, als Amma mir diese Gelegenheit gab.

Am ersten Tag bliesen wir Luftballons auf und malten lustige Gesichter. Wir lachten über unsere Zeichnungen. Dann machten wir einen Wettbewerb zwischen Jungen und Mädchen, bei dem die Lieblingslieder der Kinder gesungen wurden, während sie tanzten und immer schneller in die Hände klatschten. Das waren Gelegenheiten für uns alle, miteinander warm zu werden und eine Beziehung aufzubauen. Etwas später brachte ich das Thema Träume auf. Ich sagte den Kindern, dass ich manchmal schlechte Träume hätte und fragte sie, ob sie das auch kannten. Einige der Kinder sprachen sofort über ihre tiefsten Ängste und beschrieben, was sie erlebt hatten, als sie schliefen.

Wenn Kinder plötzlich jemanden verlieren, den sie gut kennen, führt dies zu einem tiefen Gefühl von Instabilität, was sich auch in den Träumen ausdrückt. Alle Kinder kannten einige Jungen und Mädchen, die ertrunken waren, und manche träumten, dass ihre Freunde zurückkamen und sie verfolgten. Andere verloren Onkel und Tanten. Viele träumten von Wellen, die in ihre Häuser eindrangen und ihre Eltern und Verwandten wegrissen. Oder sie sahen Körper, die in den Backwaters dahintrieben.

Das Dorf um den Ashram herum ist eine sehr kleine Gemeinschaft. Der Onkel einer Person ist daher meist auch der Cousin einer anderen Person. Die emotionalen Bindungen sind sehr stark. Die Kinder waren deutlich durch den Verlust von fernen Verwandten genauso traumatisiert wie durch Verluste in der eigenen Familie. Als ich ein paar meiner eigenen Ängste mit den Kindern teilte, fühlten sie sich verstanden und konnten von ihren Ängsten sprechen und anfangen, diese loszulassen.

Nach dem Beginn der Spieltherapie brachten wir die Kinder in Gruppen zu Ammas Darshan. Amma umarmte jedes von ihnen und sagte allen, die sie keine Angst haben sollten. Eines der kleinsten Kinder - gerade vier Jahre alt - sagte mir später, dass sie jeden Abend, bevor sie einschläft, an den Darshan denkt, und dass dadurch ihre Alpträume weggegangen seien.

Am nächsten Tag haben wir mit allen Kindern Wände bemalt. Obwohl es viele leuchtende Farben gab und wunderschöne Zeichnungen, war ein gemeinsames Thema erkennbar. Viele Kinder zeichneten Schulen, Kirchen, Häuser, Tiere und Verwandte - alles, was sie vor kurzem verloren hatten. Zum Schluss begannen einige von ihnen, Botschaften an Amma zu schreiben, in denen sie Ihr dafür dankten, dass Sie für sie da war.

In Zusammenarbeit mit den regionalen Politikern, gehen jetzt Gruppen von Psychologen und Psychiatern von AIMS in die Dörfer und arbeiten mit den Kindern und Erwachsenen, die an Traumata leiden. Es wird eine Langzeituntersuchung gemacht, die mindestens sechs Monate dauern wird.

 
     

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