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Das Amrita Tsunami Rehabilitationsprojekt
12. Janaur 2005 - Amritapuri

Die Ashramärzte haben seit der Katastrophe regelmäßig die Tsunami Notlager besucht. Sie stellten sofort fest, dass die größten Probleme der Dorfbewohner psychischer Natur waren, was sich hauptsächlich in Angstzuständen und Depressionen bemerkbar machte, beides mögliche Symptome des Posttraumatischen Stress Syndroms (PTSD - Posttraumatic Stress Disorder). Dieser Schwächezustand kann nach jedem schrecklichen Ereignis auftreten. Oft leiden die Betroffenen an Rückblenden (flashbacks), Alpträumen, Angstzuständen, Ruhelosigkeit und emotionaler Taubheit. Sie versuchen auch Dinge zu vermeiden, die sie an die traumatische Erfahrung erinnern. PTSD kann zu Alkohol- und Drogenmißbrauch führen, zu chronischen Angstzuständen, Depressionen, zu einem niedrigen Selbstwertgefühl, Schuldgefühlen, Panikanfällen, und kann auch das Zusammenleben in der Gesellschaft erschweren und stören."
Um den Tsunamiopfern, die an PTSD und anderen psychischen, physischen, sozialen und finanziellen Problemen leiden, zu helfen, hat AIMS, das Spezialkrankenhaus des Ashrams in Cochin, ein Team zusammengestellt, das aus Psychiatern, Medizinern und Sozialarbeitern besteht. Sie bieten kostenlose Hilfe im Rahmen des Amrita Tsunami Rehabilitationsprojekts an.
Seitdem das Projekt am 6. Januar anlief, hat das Team die Notlager regelmäßig besucht und mit den Opfern gesprochen.
"In der ersten Phase helfen wir ihnen einfach, ihren Kummer loszuwerden", sagt Dr. Siju, ein AIMS-Psychiater, der am Projekt teilnimmt. "Es ist wichtig, dass sie ihrer Verzweiflung Ausdruck verleihen können."
Nach Dr. Siju, bewältigen die meisten Menschen den Hauptanteil ihres Kummers während der ersten sechs Monate. Während dieser Zeit der akuten Trauer kann noch keine Diagnose gestellt werden. In diesem halben Jahr werden die Ärzte und Sozialarbeiter mit den Dorfbewohnern sprechen und ihnen helfen, ihren Schmerz auszudrücken. Sie werden auch versuchen zu erfahren, auf welchen anderen Gebieten sie Probleme haben.
In der zweiten Phase wird die Lage neu beurteilt. Wer ist nach sechs Monaten immer noch verzweifelt? Wer erschrickt durch laute Geräusche, hat immerwiederkehrende Alpträume etc.? Erst nach dieser Neueinschätzung der Lage, kann ein Behandlungsplan aufgestellt werden - sowohl mit als auch ohne Medikamente.
Falls es Dorfbewohner gibt, die schon vor dem Tsunami psychische Probleme hatten, wird das Team sich sofort bemühen, dass die Behandlung fortgesetzt werden kann.
Das Amrita Tsunami Rehabilitationsprojekt befaßt sich aber nicht nur mit den psychischen Folgen der Katastrophe, sondern wird ebenso bei allen anderen Arten von Problemen physischer, sozialer und finanzieller Natur Beistand leisten.
"Wenn Menschen unter starkem Stress stehen, werden sie leichter krank.", sagt Dr. Jagatlal, ein Biochemiker, der im Projekt mitarbeitet. Wir werden das verfolgen und behandeln. Wir werden den Dorfbewohnern auch helfen mit den Regierungsbeamten über die Probleme, die sie haben, zu sprechen und ihnen helfen mit dem Verlust der Privatsphäre umzugehen, die sie in den Notlagern erleben. Ein anderes großes Problem der Dörfer ist der Alkoholmißbrauch und wir werden auch dort Hilfe leisten."
Bei einer Katastrophe dieses Ausmaßes fällt so vieles durch die Maschen des Netzes. Das Team hat z.B. in den letzten Wochen mit vier Paaren gesprochen, die all ihre Kinder verloren haben und jetzt in einer sehr ungewöhnlichen Situation sind. Nach ihrem letzten Kind hatten die Frauen sich sterilisieren lassen. Das Team wird diesen Frauen Helfen, den Eingriff in AIMS rückgängig machen zu lassen, so dass sie wieder Kinder bekommen können.
Die Ärzte sagen, dass jeder Teil der Gesellschaft an spezifischen Problemen leidet. Viele alte Menschen fühlen sich jetzt vernachlässigt, weil ihre Kinder sie weniger beachten und sich hauptsächlich um ihre eigenen Kinder kümmern. Manche alte Menschen haben ihre Betreuer verloren. Alle, die an Bluthochdruck leiden, haben allgemein Stressprobleme. Sie machen sich in der Regel auch zu viele Sorgen.
"Am meisten leiden die Mütter," sagt Dr. Siju. "Da die meisten Fischer sind, sind die Männer stark und daran gewöhnt, mit dem Meer umzugehen, die Mütter sind jedoch sehr aufgewühlt."
Obwohl bei einigen Kindern Zeichen emotionaler Störungen auftreten, geht es den meisten von ihnen am besten, sagen die Ärzte. "In den Notlagern zu sein, war für die Kinder gut", sagt Dr. Siju. "Sie spielen die ganze Zeit miteinander und sind von daher glücklich. Die Lager haben ihnen sehr geholfen."
Nachdem die Notunterkünfte am 13. Januar eingeweiht wurden, ziehen viele der Dorfbewohner wieder auf die Alappad Halbinsel zurück. Dr. Siju sagt, dass dies für sie psychisch sehr gut sein werde, weil es ihnen helfen wird, die Angst vor der Nähe des Meeres abzubauen.
Der wichtigste Aspekt des Amrita Tsunami Rehabiliationsprojekts ist, dass es amrita - unsterblich - ist. Die Ärzte und Sozialarbeiter gehen nicht bald wieder weg. Sie werden sich die Zeit nehmen, jeder einzelnen Situation die nötige Aufmerksamkeit zu geben. Sie werden jeden Tag da sein und den Dorfbewohnern helfen durch diese schweren Zeiten hindurchzugehen.
- Tulasi -
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