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Eine Zeit der Tragödie, eine Zeit der Gnade

Von Brahmachari Dhyanamrita Chaitanya

Ich war im Internet und sah dort die Nachricht, dass riesige Wellen in Chennai eintrafen und die ganze Stadt überfluteten. Ich rannte die Treppen hoch zum Tempel, wo Amma gerade Darshan gab, um sie darüber zu informieren. Amma wurde sehr traurig, als sie die Neuigkeit hörte. Ich ging wieder hinunter, um noch mehr Informationen im Internet zu finden. Dann kam jemand in unseren Computerraum und sagte, dass das Meer angestiegen sei und neben Ammas Haus in den Ashram eindrang.

Amma erteilt den Brahmacharis Anweisungen
Foto: Amma erteilt den Brahmacharis Anweisungen bezüglich der Hilfsmaßnahmen.
Amma sagte zu mir, ich solle eine Ansage über die Lautsprecher zu machen, dass alle Devotees zu den oberen Stockwerken der Gebäude gehen sollten. Sie gab den Brahmacharis die Anweisung, alle Gegenstände aus dem Erdgeschoss nach oben zu bringen. Die Ansage wurde in viele verschiedene Sprachen übersetzt, – Englisch, Hindi, Marathi, Tamil, Kannada, etc. – da über 13 000 Menschen im Ashram waren, unter ihnen 1000 Leute von außerhalb Indiens.


Anschließend ordnete Amma an, dass alle Fahrzeuge, die auf dem Ashramparkplatz in der Nähe des Strandes geparkt waren, von der Halbinsel herunter gefahren werden sollten, da das Auto eines Devotees mehrere Meter weit hinfortgetragen worden war, als die Flut einsetzte. Auf Ammas Anweisung hin ging ich zum Strand, um alle Devotees zurückzurufen, die zum Gebäude der Ayurveda-Klinik gegangen waren.

Ich schnappte mir meine kleine Digitalkamera – mit der man auch Videoaufnahmen machen kann – und begann, zum Strand zu laufen. Ich muss zugeben, dass ich sehr neugierig auf das war, was ich dort sehen würde. Als ich dort ankam, sah ich, dass sich das Meer bereits wieder zurückgezogen hatte. Ein bisschen Wasser war allerdings in das Erdgeschoss des Ayurveda-Gebäudes eingedrungen. Die Brahmacharis, die dort arbeiteten, waren damit beschäftigt, alles in die oberen Etagen zu bringen.

Ich blickte auf das Meer hinaus. Alles war sehr ruhig. Das Meer hatte sich sogar etwa 10 Meter zurückgezogen und schneeweißen Sand freigelegt. Ich machte ein paar Fotos vom Meer und ging ein Stück auf dem weißen Sand entlang. Dann kam das Meer langsam wieder zurück. Nach ein paar Minuten fingen ein paar Dorfleute, die auf der Steinmauer am Strand standen, zu rufen und auf die Küste zu zeigen. Sie sagten allen, dass sie davonlaufen sollten, da das Meer mit großer Gewalt gegen die Steinmauer weiter südlich zu strömen begann. Ich rannte zum Ayurveda-Gebäude und ging auf das Dach hinauf.

Das Meer stieg tatsächlich rasch an. Es erreichte die Steinmauer und trat über sie hinüber. Ich war aufgeregt. Ich begann, mit meiner kleinen Kamera Videoaufzeichnungen zu machen. Das Wasser sank auf einmal wieder.

Dann, ein paar Minuten später, erhob sich das Meer zum dritten Mal. Dieses Mal überquerte es die Steinmauer und floss über den gesamten Strand. Es kam nicht mit einer großen Welle, sondern es schien eher so, als ob ein unsichtbarer Damm, der es die ganze Zeit schon zurückgehalten hatte, plötzlich geöffnet worden war. Das Wasser floss auf das Ayurveda-Gebäude zu und bog dabei die Stämme der jungen Kokospalmen, die auf dem Gelände eingepflanzt worden waren. Ich hatte so etwas schon oft im National Geographic gesehen, doch dies war das erste Mal, dass sich so etwas direkt vor meinen eigenen Augen abspielte.

Das Wasser strömte in das Ayurveda-Gebäude hinein und floss einfach hindurch wie ein Fluss. Das gesamte Ayurveda-Gelände und die Beach Road waren zu Stromschnellen geworden. Obwohl ich schwimmen kann, war mir klar, dass ich aufgrund meiner gesundheitlichen Probleme nicht überleben könnte, wenn mich die Flut erfassen würde. Dennoch hatte ich keine Angst. Ich wusste, dass Ammas Gnade mich beschützen würde.

Es gibt noch ein kleineres Gebäude auf dem Ayurveda-Gelände, welches als Lager verwendet wird. Ich sah, dass drei Brahmacharis darin gefangen waren. Von einem von ihnen wusste ich, dass er nicht schwimmen konnte. Ich machte mir Sorgen, was mit ihnen geschehen würde. Das Wasser floss wirklich sehr stark um das Gebäude herum, und es war sehr tief. Plötzlich wurde die Zementmauer, die das Ayurveda-Gelände umschloss, hinfortgespült. Jetzt brach völliges Chaos und Verwirrung aus. Häuser und Hütten wurden davongetragen. Strommasten wurden mitgerissen. Die Luft war erfüllt von dem Klang rufender Männer und schreiender Frauen. Ich war hilflos. Während ich mit meiner Kamera weiterhin Videoaufnahmen machte, betete ich zu Amma, uns alle zu retten.

Auf der anderen Seite der Beach Road kletterten die Menschen auf die Dächer ihrer Häuser. Andere wateten schnell durch das Wasser und versuchten verzweifelt, zu ihren Angehörigen zu kommen, um sie zu retten.

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