Flutkatastrophe Tsunami in Indien Karitative Projekte Rubrikpfeil Tsunami Rubrikpfeil Bericht von Br. Dhyanamrita

Eine Zeit der Tragödie, eine Zeit der Gnade (Fortsetzung)

Amma übernimmt die Leitung

Nach etwa 15 Minuten, ließ der Strom des Wassers etwas nach. Ich watete rasch durch das Wasser hindurch zum Ashram. Als ich dort ankam, sah ich, dass Amma den Darshan unterbrochen hatte. Sie stand auf dem Balkon des Tempels und rief den Devotees, die noch immer im Wasser standen zu, nach oben zu kommen. Das nächste, an was ich mich erinnere, war, dass Amma einen gelben Schal um sich wickelte und die Wendeltreppe hinabstieg. Sie begab sich in das fast einen Meter hohe Wasser.

Die ganze Situation erschien so unwirklich... Ein Brahmachari zog ein kleines Boot zu der Treppe, wo Amma stand. Er wollte Amma damit in Sicherheit bringen. Doch sie würde selbstverständlich nicht ohne ihre Kinder gehen. Dann rief Amma ein paar ortsansässige Leute herbei und fragte diese, ob es möglich sei, ein paar extra Boote zu besorgen, damit die Leute die Backwaters überqueren konnten. Einige der Dorfjungen kümmerten sich darum und kehrten nach ein paar Minuten mit den extra Booten zurück.

Daraufhin watete Amma durch das Wasser zur Bootsanlegestelle. Sie stellte Berechnungen an, ob es möglich war, zu diesem gefährlichen Zeitpunkt alle sicher zum anderen Ufer zu bringen. Das Wasser war zwar zurückgegangen, doch es könnte jeden Moment wiederkommen. Sie sprach mit den Bootsmännern, den Dorfleuten und den älteren Ashrambewohnern. Dann ließ sie den gesamten Weg vom Tempel zur Bootsanlegestelle entlang eine Sicherheitsleine spannen. Sobald sie sich dazu entschlossen hatte, alle zum Festland zu bringen, begann Amma mit der Umsetzung dieses Vorhabens und schickte die Leute nach drüben.

Zunächst kamen die Dorfleute dran, die im Ashram Zuflucht gesucht hatten; anschließend die Devotees und ganz zum Schluss die Ashramiten. Als die Dorfleute dran waren, versicherte Amma sich, dass diese ihre Familienmitglieder bei sich hatten, bevor diese die Backwaters überquerten. Sie wollte nicht, das jemand verloren ginge oder alleine zurückblieb. Als die Ausländer vorbeikamen, fragte Amma sie, ob sie ihre Pässe bei sich hatten. Sie wies die Beschäftigten des International Office an, alle wichtigen Dokumente zusammen zu tragen. Die Detailgenauigkeit, mit der Amma vorging, war erstaunlich – das war wirkliches Krisenmanagement!

Zu diesem Zeitpunkt rannte ich hin und her und stellte sicher, dass alle die Backwaters überquerten, dass die Boote gut liefen und dass die Freiwilligen Ammas Anweisungen befolgten. Anschließend erstattete ich Amma darüber Bericht.

Der nächste Schritt war, die Ashram-Elefanten und die Kühe in Sicherheit zu bringen. Amma sagte, dass man sie im Tempel unterbringen solle. Es war wirklich lustig, Ram und Lakshmi die Tempeltreppen emporsteigen zu sehen, gefolgt von den Kühen. Amma ließ einige Brahmacharis Heu und Wasser für sie bringen. Bald schon sah der Tempel eher wie ein Zoo aus. Einige Stunden später wurden sie alle zu Fuß über die Beach Road-Brücke auf das Festland gebracht.

Die Sonne ging bereits unter, doch Amma hatte noch immer nicht die Backwaters überquert. Sie wollte zuerst, dass das ganze Dorf in Sicherheit auf dem Festland war, bevor sie ging. Das Allappad-Dorf, in dem der Ashram angesiedelt ist, ist nur 50 bis 100 Meter breit, da es auf einer Halbinsel zwischen den Kayamkulam-Backwaters und dem Arabischen Meer liegt. Doch es ist etwa 4 Kilometer lang. Amma schickte Boote zu den übrigen Teilen des Dorfes, um alle hinüber zu bringen. Sie war wirklich sehr besorgt.

Amma sagte zu mir, dass sie sehr froh darüber war, dass sich ihre Schüler so sehr darum bemühten, die Dorfleute und die Devotees zu retten. In ihrer Selbstlosigkeit hatten sie gar nicht mehr daran gedacht, sich selbst in Sicherheit zu bringen.

Der Brahmachari, der für den Strom im Ashram zuständig ist, stellte genau in dem Moment, als das Wasser in den Ashram hineinströmte, den Hauptstrom ab, zog die Starkstromkabel aus den Steckdosen und rief das Elektrizitätswerk an, um ihnen zu sagen, dass sie die Stromversorgung für die Halbinsel abstellen sollten. Es hatte dies alles von sich aus getan.

Es wurde nun wirklich spät. Die Leute rechneten jeden Moment mit einer erneuten Überflutung. Amma überlegte, was alles vom Ashram zur Universität auf dem Festland gebracht werden konnte, um den Evakuierten zu helfen – Dinge wie Essen, Schlafmatten, Kleidung. Sie brachte in Erfahrung, was in der Universität an Küchenmaterial vorhanden war und schickte die Brahmacharis los, um alles Nötige zu kaufen. Die meisten der 10 000 Strohmatten des Ashrams waren im Erdgeschoss gelagert gewesen und daher vom Salzwasser völlig durchnässt. Amma ließ die trockenen einpacken und in die Hilfscamps auf dem Festland bringen. Die untere Schicht der Reissäcke war ebenfalls durchnässt. Doch alles, was noch trocken war, wurde ebenfalls für die Hilfsaktionen verwendet.

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