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Medizinische Versorgung - das Ärzteteam
Verängstigte Dorfbewohner sehen in den Gesichtern der Ashram-Ärzte wieder Hoffnung
28. Dezember 2004, Hilfscamp der Amrita-Universität, Amritapuri
Direkt nach der Flut beorderte Amma sechs Krankenwägen aus dem AIMS in das Gebiet um den Ashram herum, um den Ashram-Ärzten bei der Behandlung der kranken und verletzen Menschen zu helfen. Die Krankenwägen sind voll ausgestattet mit Medikamenten und Instrumenten, so dass sogar Operationen in ihnen durchgeführt werden können.
Gleich nach ihrer Ankunft begannen die 10 Ärzte mit ihren Assistenten, nacheinander immer wieder alle neun Hilfscamps auf dem Festland aufzusuchen. Sie fuhren ebenfalls in die evakuierte Küstenregion von Azhikal bis Pandarathuruttu. Innerhalb von 48 Stunden hatten sie bereits Medikamente im Wert von 400 000 Rupien verteilt und über 2000 Menschen geholfen.
"Diese Menschen kennen uns," sagt Dr. Raghavendra, ein Brahmachari, der im AIMS und dem Amrita Kripa Krankenhaus in Vallikkavu arbeitet. "Viele von ihnen kommen bereits seit Jahren in das Ashram-Krankenhaus. Wenn sie sehen, dass wir es sind, kommen sie sogleich angelaufen."
"Wir tragen keine Schildchen", sagt Dr. Chandrashekar, ein anderer Brahmachari, der im Ashram-Krankenhaus tätig ist, "doch selbst die Leute, die uns nicht persönlich kennen, wissen, dass wir Ammas Brahmacharis sind. Sie erkennen uns an unserem Haarschnitt und unserer Kleidung und vertrauen uns sofort. Ihr Hauptproblem sind Depressionen. So viele von ihnen haben alles verloren."
"Alles, was sie einst wussten, ist vergessen", fügt Dr. Ashok, ein Gehirnspezialist, der als Ammas Brahmachari im AIMS dient, hinzu. "Stelle dir einmal vor, du hättest 30 bis 40 Jahre lang nichts als ein kleines Haus auf dem Strand und innerhalb von 5 Minuten ist es vollständig hinfortgespült worden. Die Leute stehen unter Schock. Sie haben Töchter, Ehemänner, Ehefrauen, Väter, usw. verloren. Manche haben kleine Wunden, Schnitte, Schürfwunden, Glassstücke in ihren Fußsohlen. Kürzlich behandelten wir jemanden mit einer gebrochenen Rippe. Doch das wirkliche Problem sind Depressionen und Ängste. Sie brauchen wirklich Leute, die mit ihnen reden. Wir stellen ihnen ein paar Fragen, beruhigen sie und sofort öffnen sie sich und fangen einfach an zu weinen. Sie sagen zu uns 'Mein Haus ist zerstört' oder 'Ich habe mein Kind verloren... Ich habe meine Frau verloren'."
"Wir vertrauen ihnen, weil sie von Ammas Ashram sind," bestätigt einer der Evakuierten. "Ein medizinisches Team einer anderen Organisation kam und stellte einen Tisch voller Medikamente auf. Dann ließen sie 10 Leute kommen, machten 20 Fotos, packten wieder alles zusammen und verschwanden. Das nächste medizinische Team, das kam, wollten wir erst gar nicht anhalten lassen. Wir ließen sie noch nichteinmal aus ihrem Auto aussteigen. Doch von ihnen hier wissen wir, dass sie Ammas Brahmacharis sind, das ist etwas anderes."
Gleich von Anfang an wussten die Ärzte, dass die Situation sehr ernst war, sagt Dr. Ram Mohan, ein Brahmachari aus dem Ashram-Krankenhaus. "Eine Stunde, nachdem die Flut über uns hereingebrochen war, brachten unsere Brahmacharis die Körper von zwei Männern, welche ertrunken waren. Es waren große Männer gewesen, jung und stark."
Nach 48 Stunden Hilfseinsatz hatten die Ärzte von vielen Schicksalen erfahren. "Wir kamen zu einem Camp, als plötzlich eine völlig hysterische Frau aus dem Nichts auftauchte. Sie hatte gerade erfahren, dass ihre 15-jährige Tochter unter den Toten gefunden wurde," sagte Dr. Raghavendra. "Ein anderer Mann kam mit Herzproblemen zu uns und erst durch ein Gespräch mit ihm fanden wir heraus, dass der Grund dafür war, dass er ebenfalls seine Tochter verloren hatte."
Dr. Ram Mohan erzählt ähnliche Geschichten. "Kürzlich kam ein Mann zu uns, dessen Zustand sofort erkennen ließ, dass etwas Schlimmes los war. Er war geistig völlig abwesend, ohne jegliche Emotionen, völlig gleichgültig. Erst nach langer Zeit wurde uns klar, dass fünf Angehörige aus seiner Familie getötet wurden."
Sie alle helfen, so viel sie können. Doch für manche Wunden gibt es keine Medikamente.
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