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Neujahr 2005 in Amritapuri
Das Neue Jahr ist in Dunkelheit gehüllt
Silvesternacht 2004-2005 in Amritapuri
Das erste Mal nach fünf Tagen läutete die Ashram-Glocke wieder drei Mal und kündigte den Ashrambewohnern an, dass Amma zur Bhajanhalle kommen würde. Vielen schien es, als ob die Glocke den Regen angekündigt hatte, da dieser genau im selben Moment, als die Glocke ertönte, einsetzte. Alle die Ashrambewohner und die Devotees rannten zum Auditorium, um sich um Ammas Stuhl herum hinzusetzen.
Als Amma um 23.15 Uhr kam, war ihre Stimmung etwas zurückgezogen. Sie weinte nicht, aber wenn man genau hinschaute, konnte man sehen, dass ihre Augen feucht waren. Die Trauer der vergangenen fünf Tage lag noch immer in der Luft.
Amma begann, zwei Hindi-Bhajans zu singen; einer war Ganesha gewidmet und der andere Krishna. Das Soundsystem des Ashrams war durch die Flut beschädigt worden, daher gab es nur einen kleinen Verstärker. Teilweise war es fast unmöglich, Amma zu hören, weil die Regen so heftig auf das Dach der Halle prasselte.
Dann sang Amma "Kodanukoti", einen sehr alten Malayalam-Bhajan in der Raga Charukeshi (sorgenvolle Stimmung). Das Lied handelt davon, wie entfernt Gott manchmal erscheint, obwohl man intensive Entbehrungen auf sich genommen hat. "Oh ewige Wahrheit, die Menschheit sucht dich bereits seit vielen Millionen Jahren..." Als Amma diese Zeilen sang, wurde ihre Stimme eins mit der Raga und viele Ashramiten und Devotees wurden davon so ergriffen, das sie zu weinen begannen.
Das Lied endete gegen 23.55 Uhr und Amma bat alle Anwesenden, die Augen zu schließen und das Friedensgebet Lokah Samastah Sukhino Bhavantu zu rezitieren. Da die Ereignisse der letzten Woche noch so frisch in den Gemütern waren, sprachen all das Gebet wirklich von ganzem Herzen. Während Amma betete, wiegte sich ihr Körper leicht vor und zurück.
Als das Rezitieren 10 Minuten später vorüber war, begann Amma, ein paar Worte zu sagen. "Mit schweren Herzen begrüßen wir das Neue Jahr," sagte Amma. "Wir können in diesem Moment nicht fröhlich sein, und dies ist auch keine Zeit für Fröhlichkeit. Dies ist die Zeit, um Liebe und Mitgefühl in unseren Herzen zu wecken. Die Toten werden nicht zurückkehren, doch den Lebenden können wir Liebe und Trost spenden."
"In diesem Neuen Jahr, welches in die Dunkelheit der Sorgen gehüllt ist, sollten wir die Lampe der Liebe, des Dienstes und des Mitgefühls anzünden und mit tiefem Glauben voranschreiten."
"Der Mensch kann alles erreichen; er kann sogar Gott werden. Doch eine Sekunde genügt, damit er alles verliert."
Amma fuhr fort, in dem sie sagte, dass menschliche Anstrengungen beschränkt sind und dass die Gnade Gottes wichtiger ist. "Kinder, erkennt das Ziel des Lebens und schreitet darauf zu."
An einem bestimmten Punkt hielt Amma inne und gab zu, dass sie nicht wusste, was sie sagen solle. "Mein Herz ist leer."
Dann leitete Amma all in einer kurzen Meditation an. Als diese vorüber war, schien Ammas Stimmung irgendwie gelöster und sie sang "Ananda Janani", in dem der Glanz der göttlichen Mutter gepriesen wird. Gegen Ende des Liedes hob Amma ihre Arme über den Kopf und begann, zu klatschen. Alle Anwesenden machten es ihr nach. Rasch wandelte sich die Stimmung von der Dunkelheit zum Licht.
Amma stand anschließend auf und rief all zu sich, um Prasad zu bekommen. Für viele Besucher, die ihre Weihnachtsferien im Ashram verbrachten, war es das erste Mal, dass sie Ammas Darshan bekamen.
- Kannadi
Ammas Neujahrsrede 2005
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